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Eifgen 1 Konzerte: Park Stickney

Andächtig stand er im Nebenraum, hörte ‚Dity Plachut‘ (ukr.: ‚Kinder weinen‘), das wir vor jeder Veranstaltung für die Dauer des Krieges in der Ukraine spielen. In die folgende Stille, durch den Begrüßungsapplaus geht er auf die Bühne, ergreift sein Instrument, sagt etwas wie „I changed my intro“ und greift das gerade Gehörte mit seiner Harfe auf, bringt es erneut zum Klingen und lässt sich weitertreiben zu seiner Variation von Dave Brubeck’s ‚Take Five‘. Der kann’s!

Vorher hatte er schon einen Workshop für zwei begeisterte Harfinistinnen gegeben, die ihr Glück gar nicht fassen konnten. Park spielt nicht Harfe. Die Harfe und er sind ein Gesamtkunstwerk. Musikalisch, literarisch, spirituell, philosophisch, voller Humor und Überraschungen. Eigene Kompositionen haben immer einen Ursprung in Parks Biographie. „Finished My Pieces“ – hier singt er (ja, er singt) ein Kapitel eines Lehrbuchs, das für ihn schwer verständlich war. Seine Harfe hat’s ihm dann erklärt, und akademische Fachbegriffe werden zur Musik, hört selbst:

Das „3 Chord Wonder“ war keineswegs ein Blues, aber den entsprechenen Zwischenruf aus dem Publikum nahm er gerne auf und baute Blue Notes ein, die dann später bei Miles Davis „All Blues“ zur Vollendung kamen. „Georgia on My Mind“, aber vor allem die „Bohemian Rhapsodie“ ließen bei seinem Spiel die Original-Instrumentierung vergessen – die Harfe hatte alles: Bass, Stimme, Klavier, Schlagzeug, Gitarren, und diese Jahrhundert Komposition entfaltete ihre ganze Schönheit und Genialtität in der Schlichtheit und Virtuosität des Künstlers.

Wir danken für die NEUSTART KULTUR Förderung, die es ermöglichte, diesen Künstler in unsere Kleinstadt zu holen. Mit unserer Reihe "Eifgen 1" veranstalten wir Off-Mainstream Konzerte und Festivals mit namhaften KüntlerInnen. Dabei erheben wir wenig oder gar keinen Eintritt, um die Vielfalt der Musik einem breiten Publikum nahezubringen. Die KünstlerInnen erhalten hierbei ihre normale Gage.

Park ist ein glänzender Entertainer. Seine überleitenden Geschichten waren immer äußerst unterhaltsam. Der Abend hätte mehr Besucher vertragen, aber 52 Gäste erfuhren etwas über ihn als Feuerwehrmann, oder dass man sich die Nummern der Beethoven-Symphonien anhand der Tonarten merken kann – die bei jeder Symphonie eine andere ist. Und wenn es doch mal dieselbe wäre, ist sie dann im Moll wie bei der 5. und 9. Symphonie. Da war es fast schon vorherzusehen, dieser Jive als Zugabe – geht auch ohne Tasten!

Ein Konzert, das in Erinnerung bleibt und nach Wiederholung verlangt. Gefördert durch:

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